1.4.7 Hiatushernie

Ist der Speiseröhrenschlitz (lat. Hiatus ösophageus) durch eine angeborene oder erworbene Schwäche des umgebenden Gewebes geweitet, kann sich an dieser Stelle eine Zwerchfellhernie ausbilden. Bei dieser so genannten Hiatushernie kommt es zu einem teilweisen bis vollständigen Übertritt von Bauchorganen in den Brustraum. Je nach Ausmaß des Bruches werden verschiedene Formen unterschieden.
 
Die häufigste Form ist die so genannte axiale Gleithernie, bei der der Magen ein Stück nach oben rutscht, so dass sich der Mageneingang mit der Einmündungsstelle der Speiseröhre (die so genannte Kardia) in die Brusthöhle verlagert. Häufig bereitet eine Gleithernie keine oder nur geringe Beschwerden. Die Diagnose beruht daher oft nur auf einem Zufallsbefund. Wenn der muskuläre Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen durch die Verschiebung des Magens allerdings nicht mehr richtig funktioniert, kann es zum Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre kommen (Reflux). Durch die Reizung der Speiseröhrenschleimhaut kommt es dann zur so genannten Refluxkrankheit mit den typischen Symptomen Sodbrennen, Schluckstörungen und Schmerzen im Oberbauch. Verursacht eine Hiatushernie derartige Beschwerden, versucht man diese zunächst durch konservative Maßnahmen wie Gewichtsreduktion, Ernährungsumstellung, Veränderung von Lebensgewohnheiten und medikamentöse Behandlung in den Griff zu bekommen. Gelingt dies nicht, dann sollte die Hernie in jedem Fall so bald als möglich operiert werden.
 
Bei der seltener vorkommenden paraösophagealen Hernie schiebt sich der vordere Magenabschnitt durch den Speiseröhrenschlitz entlang der Speiseröhre in den Brustraum (der Mageneingang, die Kardia, bleibt dabei im Unterschied zur axialen Gleithernie im Bauchraum). In einigen Fällen gelangen bei dieser Form der Hiatushernie auch andere Eingeweide wie Darmschlingen oder Teile des großen Netzes in den Brustraum. Zunächst sind die Betroffenen häufig beschwerdefrei, erst später treten Symptome wie Völlegefühl, Druckschmerz in der Brust, Schluckbeschwerden oder Atemnot auf. Durch Einklemmung der vorgefallenen Organe kann es zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommen. Daher muss die paraösophageale Hernie immer so bald als möglich durch eine Operation versorgt werden.
 

In einigen Fällen treten auch Mischformen aus Gleithernie und paraösophagealer Hernie auf. Selten ist der so genannte Upside-down-Magen, auch Thoraxmagen genannt, eine schwere Form der paraösophagealen Hernie. In diesem Fall sind zwei Drittel des Magens oder mehr (bis zum gesamten Magen) in den Brustraum verlagert. Es kommt zu einer Verdrehung des Magens und zu einer Verdrängung der in der Brusthöhle liegenden Organe, vor allem Lunge und Herz. Die Betroffenen leiden daher häufig an Herz-Kreislauf-Beschwerden, Atemnot, Völlegefühl oder Schmerzen im Brustraum. Genau wie die anderen paraösophagealen Hernien muss der Upside-down-Magen umgehend operiert werden, um gefährliche Komplikationen zu vermeiden.